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26. August 2016
marketing ist egoistisch

Ja, Marketing ist egoistisch!

Darüber musste ich einige Zeit nachdenken. Denn Marketing stellt ein Produkt, eine Dienstleistung – also ein Angebot an den Kunden, in den Vordergrund. Der Prozess der Vermarktung ist damit zwangsläufig egoistisch. Das Unternehmen will seine Botschaft kommunizieren und unterbricht die Zielgruppe, in dem was sie tut (z.B. Fernsehen, Auto fahren, Musik hören, usw..). Das Unternehmen wird also aufdringlich, platzt mit der Botschaft in die Aktivitäten der Zielgruppe rein. Es verhält sich egoistisch.

 

Muss Marketing egoistisch sein?

Die Quelle von gutem Marketing sind Kundeninteressen und Kundenbedürfnisse. Gutes Marketing beginnt damit, den Kunden auf der materiellen und emotionalen Seite zu verstehen. Materiell verstehen bedeutet reale Bedürfnisse (oder auch den Bedarf) für Produkte und Dienstleistungen zu erkennen und Lösungen dafür zu entwickeln. Emotional versteht man einen Kunden, wenn man seine Beweggründe, seine Absichten, seine Wünsche, seine Ängste und Befürchtungen durchschaut. Beides kann der Startpunkt einer guten Marketingkampagne und der Entwicklung einer gezielten Kommunikation sein.

Wenn es nun im Marketing um Kundenbedürfnisse geht, warum empfinden wir sehr häufig Marketingkampagnen als egoistisch? Sollten wir sie nicht „dankbar“ als Kommunikationsinstrumente sehen, die uns entgegenkommen und uns helfen unsere Bedürfnisse zu erfüllen?

Wer gerade ein Auto kaufen will und auf das attraktive Angebot des Händlers um die Ecke stößt, empfindet den Werbeflyer im Briefkasten sicher nicht als egoistisch. Wer aber gerade nicht zufällig ein Auto kaufen will, und jede Woche einen Flyer vom Autohändler im Briefkasten findet, mag da anderer Ansicht sein.

Der Unterschied hängt also nur vom Angebots- und Nachfragezeitpunkt ab. Wenn diese zusammentreffen, ist gutes Marketing eine Lösung für ein Kundenproblem und damit willkommen.

Offline Marketing kennt den Nachfragezeitpunkt einer bestimmten Person oder Zielgruppe nicht genau. Sicher kann man als Marketingfachmann vorab einschätzen, dass im Winter mehr Handschuhe und Mützen oder in den dunkeln Monaten mehr Kerzen verkauft werden. Aber den genauen Nachfragezeitpunkt trifft man für die Masse nicht.

Online Marketing, mit seinen Vernetzungen über Cookies / Trackings in Suchmaschinen, persönlichen Vorlieben und Interessen, Standort, usw… kann eine viel genauere Prognose wagen und gezielten Marketingcontent liefern. Im Online Marketing sind die Chancen ein Vielfaches höher, dass Angebotszeitpunkt und Nachfragezeitpunkt zusammentreffen.

 

Wie können wir Marketing weniger egoistisch machen?

Im Online Marketing kann man also den „empfundenen Egoismus“ reduzieren. Das klappt noch nicht perfekt und noch lange nicht überall, aber die Richtung stimmt schon mal.

Wie kann man dem offline Marketing die „Egoismusspitze“ nehmen, es subtiler gestalten und trotzdem verkaufen oder eine Marketingbotschaft bekannt machen?

Mir ist bisher nur eine Möglichkeit eingefallen und ich freue mich über Kommentare, die weitere Lösungen und Ideen aufzeigen.

Damit Marketing nicht egoistisch wirkt, darf die Zielgruppe in ihren Aktivitäten nicht unterbrechen. Also muss die Ansprache der Zielgruppe als Information, Weiterbildung, Erziehung erfolgen. Eine Ansprache in Form von Hinweisen, Tipps, Ideen wird nicht als aufdringlich empfunden, wenn diese nicht unterbrechen, sondern in die Aktivitäten der Zielgruppe integriert werden. Statt einem Werbeblock im Radio also ein „Wussten Sie dass“ Block.

Die Umsetzung eines unegoistischen B2C Marketing erfordert eine neue Denk- und Herangehensweise. Sie ist deutlich aufwendiger als klassische Werbung, denn sie setzt ein sehr tiefes Kundenverständnis voraus. Im B2B Marketing ist eine unegoistische Kommunikation, die auf Informationen beruht, meines Erachtens die erfolgsversprechendste Kommunikationsstrategie überhaupt.

Zeit neue Wege zu gehen und unegoistisches Marketing zu testen und nach erfolgsversprechenderen Kommunikationsmethoden zu suchen. Wenn es uns gelingt die Akzeptanz der Marketingkommunikation zu verbessern, haben wir viel erreicht: sowohl für die Unternehmen, als auch für die Kunden.

 

1 Comment

  1. Anette Frey sagt:

    Eine wissenschaftliche Studie anhand von konkreten Beispielen, könnte den Erfolg von „nicht egoistischem Marketing“ durchaus sichtbar machen. Vielleicht greift ein Student oder ‚Doktorand das Thema auf.

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